Babas Welt
Sonntag, 9. März 2008
Lit.Cologne, die Achte: Tom Rob Smith

So wie sie begann, so endete die Lit.Cologne dieses Jahr für mich, im Polizeipräsidium von Köln, dem traditionellen Veranstaltungsort für Krimilesungen, der sich über die Jahre auch als überaus angenehme, günstig gelegene und bequeme Lokalität erwiesen hat. Und auch Autor und vorgestelltes Buch waren interessant und rundeten das diesjährige Festival für mich aufs angenehmste ab.
Nicht nur Bernhard Robben hatte seine Schwierigkeiten zu verstehen, wie ein so junger Autor wie Tom Rob Smith - gerade mal 28 - schon mit seinem Erstling ein so gelungenes und vielfältiges Buch vorlegen kann, in dem es um ein Land und eine Zeit geht, in die er sich nur durch reine Recherche hineinversetzen konnte und nichts aus eigener Anschauung kennt. Aber vielleicht ist das auch die einzig wahre Methode sich einer Atmosphäre, einem Zeitgeist, einer eigenen Welt anzunähern, so daß sie authentisch und unverfremdet von eigenen Erfahrungen wiedergegeben und beschrieben werden kann. "Child 44" ist ein Buch, das aus Büchern entstanden ist, historischen Werken, Romanen und Zeitzeugenberichten und wirkt deshalb auch so realistisch, weil alles durch andere Bücher belegt ist. Um so etwas zu schaffen, ist es denn wohl eher von Vorteil, wenn man einerseits jung und unvoreingenommen und andererseits reiseerfahren und weltoffen ist. Die Schilderungen von Smiths Reiseerfahrungen und literarischen Gehversuche waren denn auch so ausführlich und amüsant, daß die Zeit wie im Flug verging und nach den Lesungen kaum Zeit für weitere Fragen blieb. Da war es vielleicht ganz gut, daß Smith beim lesen viel zu hastig war, so daß man dem Text kaum folgen konnte, während Carlo Ljubek vom Schauspielhaus Köln seine Sache großartig machte und richtig Lust auf das Buch weckte. Schade, daß es noch nicht als Taschenbuch vorliegt, da müssen wir uns wohl noch etwas gedulden. So wie bis zur nächsten Lit.Cologne und was uns dort erwartet. Mindestens eine Lesung im Polizeipräsidium aber auf jeden Fall.

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Samstag, 8. März 2008
Lit.Cologne, die Achte: Öde Orte

Gestern haben Regina und ich es geschafft, bei einer der Lit.Cologne-Lesungen auf der MS Rheinenergie dabeizusein, wo auch tatsächlich abgelegt wurde. Vor zwei Jahren bei Urs Widmer musste sie ja leider an der Mole bleiben, weil der Rhein zuviel Wasser für eine Rundfahrt hatte. Aber diesmal klappte es, und wir dampften zu später Stunde einmal den Rhein auf- und wieder abwärts und ließen uns von Martin Stankowski und Claudius Seidl demonstrieren, was für schreckliche Orte Köln bzw. Berlin doch eigentlich sind. Bei all den geballten Verrissen, satirischen Abhandlungen, Verspottungen und Wehklagen von diversen Literaten aus drei Jahrhunderten, so vergnüglich und komisch sie auch waren, kann man sich nur wundern, wie man es in den genannten Orten überhaupt aushalten kann. Vielleicht weil man sich so dran gewöhnt hat, die Städte über den grünen Klee gelobt zu sehen oder weil eine Stadt, die wirklich nur schön und angenehm zum leben ist, einfach langweilig wäre?
Langweilig wurde es an dem Abend jedenfalls nicht. Daß einiges schlichtweg an mir vorbeiging, mag an der späten Stunde, meiner Erkältung und dem etwas einschläferndem Rythmus des Schiffes hergerührt haben. Aber es war schön. Wieder einmal.

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Bücherliste 2008: 06.03.2008

Neu gelesen:

Eric-Emmanuel Schmitt, Mein Leben mit Mozart

Für Mozart hatte ich schon immer eine echte Schwäche. Dass er so massiv mein Leben beeinflußt hat, kann ich zwar nicht behaupten, aber nachvollziehen kann ich seine Wirkung schon. Und auch dieses Buch liest sich, wie alle anderen von Schmitt, wie geschnitten Brot..

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Donnerstag, 6. März 2008
Lit.Cologne, die Achte: Eric-Emmanuel Schmitt

Die Lit.Cologne kann mitunter wirklich aufregend sein. Die Lesung von Eric-Emmanuel Schmitt sollte im Kölner Schauspielhaus stattfinden, das aber, da öffentlich, den ganzen Tag bestreikt wurde, somit wäre die Veranstaltung um ein Haar abgesagt worden. Wie es die Veranstalter geschafft haben, den Leuten von Verdi einen Kompromiss abzuringen, ist mir ein Rätsel, ich denke mal, daß es bei Verdi sicher auch Literaturliebhaber gibt, und um die einzige Lesung, die Schmitt bereit war in Deutschland zu seinem neuen Buch zu geben, wäre es doch wirklich jammerschade gewesen. Daß bei dem Auftritt des Autoren eine Abordnung von Verdi mit auf die Bühne marschiert kam und ihren Sermon abließ, konnte man denn auch noch hinnehmen. Neben den unausweichlichen Buhrufen gab es auch Applaus vom Publikum.
Diese äußeren Bedingungen - keine richtige Beleuchtung, kein Garderobenservice, und nur die nackte, nur halb ausgeleuchtete Bühne - führten dazu, daß diese Lesung wirklich wie das vollkommene Gegenteil zu der vor drei Jahren wirkte, als Elke Heidenreich die Regie führte und meinte, die Lesung noch mit allem möglichen Brimborium anreichern zu müssen. Das fehlte gestern völlig, Autor und Moderator/Übersetzer Tobias Eisermann saßen einsam auf der halbdunklen Bühne an kleinen, kargen Tischchen und konzentrierten sich im wesentlichen darauf, das eben in Deutschland erschienene Buch "Adolf H. Zwei Leben" zu präsentieren und zu besprechen. So eifrig wie die beiden dabei waren, hätten sie wohl am liebsten das ganze Buch vorgelesen, aber dazu reichte die Zeit nicht, zumal Schmitt bei seinen Ausführungen immer sehr ausschweifend wurde und Eisermann in seiner Doppelrolle etwas überforderte. Letzterer hatte vielleicht auch das Publikum und seine Sprachkenntnisse falsch eingeschätzt, ein erheblicher Teil davon konnte Schmitt gut folgen, ohne auf seine Übersetzung angewiesen zu sein und forderte sogar weitere Lesungen von ihm in französisch, was Eisermann wohl etwas aus dem Tritt brachte. Aber die beiden waren ein gutes Team und schafften es, daß es ein einmaliger und spannender Abend wurde. Und obwohl mir eine sehr kritische Rezension im Stadtanzeiger das Buch schon madig gemacht hatte, bekam ich nun doch wieder Lust darauf es zu lesen. Vor allem den Teil mit dem fiktiven Adolf H. und seinen Sitzungen bei Sigmund Freud... Das Taschenbuch ist jedenfalls schon einmal vorgemerkt.
Anschließend im Foyer kam ich zu spät in die Warteschlange vor dem Signiertisch, aber das halbstündige Anstehen wurde mit sehr netten Signaturen in meinen drei mitgebrachten Büchern belohnt. Merci beaucoup, cher Monsieur Schmitt.

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Bücherliste 2008: 04.03.2008

Neu gelesen:

Ian Rankin, Exit Music

Endlich oder leider: der letzte John Rebus Band ist als Taschenbuch raus. Oder ist er doch nicht der letzte? Bis jetzt weiß ich nur, daß er nicht - wie halb erwartet - stirbt (ich kann das sphinxen auf die letzte Seite eben nicht lassen...), aber wie es weitergeht, wird sich zeigen. Aber eins steht fest, auch dieser Band ist wieder erste Güte, von der ersten Seite an.

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Dienstag, 4. März 2008
Lit.Cologne, die Achte: Tiere im Text

Die zweite Veranstaltung dieses Jahres war eigentlich ..hmm.. nett. Und unterhaltsam. Aber eben auch nicht mehr. Vorgegebenes Ziel des Abends war, herauszufinden, welches Tier den größten Einfluß auf Autoren und die von ihnen produzierte Literatur hat und zu diesem Behufe traten Hund (Richy Müller), Katze (Maria Schrader) und Kakerlake (Gustav Peter Möhler) nacheinander an, um zu beweisen, von welch entscheidender Bedeutung ihre Spezies für das Wohlergehen von Dichtern und Autoren und der Qualität der von ihnen produzierten Literatur waren und sind. Richy Müller überzeugte mit den besten Argumenten, Maria Schrader kam ein wenig zu betulich rüber (was aber ganz gut zu der Rolle paßte) und Gustav Peter Möhler wußte sich trotz spärlicher Beweise (vielleicht hätte sich bei intensiverer Recherche doch etwas mehr Stoff finden lassen können außer ein paar Zeilen von Charles Bukowski und der überstrapazierten "Verwandlung" von Kafka) so gut in Szene zu setzen, daß er die Mehrheit des Publikums auf seine Seite ziehen konnte. Viel unterhaltsamer waren jedoch die Gespräche von Dieter Moor und Katja Lange-Müller, deren Anmerkungen, Anekdoten und Kommentare immer wieder ein Genuß waren. So treffend wie bei ihr hab ich bisher nur bei Mutts von Patrick McDonnell den Unterschied zwischen Hund und Katze herausgestellt bekommen:
"Sagt der Hund: der Mensch gibt mir ein Zuhause, er füttert und versorgt mich - er muß Gott sein! Sagt die Katze: der Mensch gibt mir ein Zuhause, er füttert und versorgt mich - ich muß Gott sein!"
Wirkliche neue Erkenntnisse hatte der Abend nicht zu bieten. Aber doch nette Unterhaltung. Und das ist ja auch schon was wert.

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Lit.Cologne, die Achte: John Burnside

Ah, könnte es nicht immer so sein, oder wenigstens bei der ersten Veranstaltung des Jahres? Aber ohne ein paar Fehlschläge kann man die wirklich gelungene Lesungen irgendwann wohl nicht mehr genug schätzen... Zur Lesung von John Burnside gingen Regina und ich völlig unbedarft und ohne Vorerwartungen und wurden reichlich belohnt. Im Nachhinein tut es mir nur leid, daß ich mir nicht doch ein Buch zum signieren besorgt hatte. Die im Foyer des Polizeipräsidiums erhältliche deutsche Ausgabe war vielleicht ganz interessant, weil der inzwischen zu unserem Lieblingsmoderator avancierte Bernhard Robben sie übersetzt hatte, aber das gebundene Buch wollte ich mir denn doch nicht antun. Zumal ich mir auch nach vier Auszügen, abwechselnd vom Autor und vom deutschen Leser Matthias Brandt vorgelesen, keinen rechten Reim auf das Buch machen konnte. Neugierig machten die Kostproben schon, aber entschieden mehr faszienierte mich der Autor. So allmählich entwickelt sich bei mir eine Schwäche für schottische Autoren (außer Val McDermid, für die ich mich immer noch nicht richtig erwärmen kann) und hier präsentierte sich ein wirklich würdiger Vertreter, der überraschend offen und unverkrampft - und ausschweifend - über seine schwieirge Kindheit und Jugend und die Probleme mit seinem Vater sprach, und im Gespräch soviele Themen anschnitt, daß Bernhard Robben Mühe hatte, die Antworten beim übersetzen adequat zusammenzufassen und eine ganze Reihe weiterer Fragen stecken lassen mußte. Vielleicht wäre es besser gewesen, man hätte nicht soviel vorgelesen, sondern mehr aus dem Buch erzählt, aber dann wäre Matthias Brandt nicht zum Zug gekommen, der es so gut verstand, das Beste aus dem Text herauszuholen, daß es dem Übersetzer eine reine Freude war. Nun, man kann eben nicht alles haben... leider.

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