Babas Welt
Montag, 19. März 2012
Lit.Cologne, die Zwölfte: Jeffrey Eugenides

History repeats itself - manchmal tut sie das tatsächlich. Bei der Lesung auf der Lit.Cologne 2003 holte ich mir mein Exemplar des vorgestellten Buches auch erst nach der Lesung. Diesmal hätte ich es eigentlich besser wissen müssen, denn ein vorzeitiger Kauf hätte mir gut 20 Minuten in der Signierschlange erspart, aber was hilft's, es hat auch so hingehauen.
Und genau wie vor 9 Jahren war die Lesung das reinste Vergnügen. Zwar erinnerte die - ausdrücklich als Spiegelredakteurin vorgestellte - Moderatorin Susanne Weingarten irgendwie an die Moderatorin der Lesung von David Grand im gleichen Beitrag von 2003 wie oben (gut möglich, daß sie es tatsächlich war,) aber diesmal bekam sie trotz offensichtlich exzellenter Vorbereitung zu keiner Zeit die Gelegenheit, die Richtung der Lesung so zu dominieren wie bei Grand. Ihre Einführung - u.a. mit dem Bericht der aufwändigen Plakatwerbung für das Buch am Time Square, die Eugenides so amüsant wie peinlich fand (z. B. hier das Bild mit der berühmt gewordenen Weste, die inzwischen sogar einen eigenen Twitter Account hat) - war sehr gelungen, aber im Laufe des Abends scheiterte sie immer öfter bei ihren viel zu bemühten Übersetzungen von Eugenides' Antworten - die ohnehin fast jeder direkt verstand, sogar so gut, daß ein Übersetzungsfehler sofort lautstark korrigiert wurde (hätten sie sich das mal bei Günther Keil getraut ..).
Sehr interessant wurde es bei der Entstehungsgeschichte von "The Marriage Plot", wie die Hauptperson Madeleine aus einem anderen, abgebrochenen Projekt von Eugenides "gerettet" wurde und der Kontext des Buches, den Eugenides anhand von Beispielen aus den Heiratsromanen des 18. und 19. Jahrhunderts wie "Portrait of a Lady" und "Anna Karenina" erläuterte. Spätestens da wurde mir der Mund wässrig - siehe oben. Auch die deutschen Passagen, wunderbar vorgetragen von dem - herrje, eigens aus Frankfurt angereisten - Marc Oliver Schulze machten Lust auf das Buch.
Zum Abschluß ging es um die Bedeutung der Ehe und des Heiratens, der in den USA, wie bei sovielen anderen alten Traditionen immer noch mehr Bedeutung zugemessen wird als in Europa und ein Grundbedürfnis sogar für Menschen, für die sich die Frage garnicht stellen müsste, auszudrücken zu scheint, und wie sich so viele Denkstrukturen aus den vergangenen Jahrhunderten immer noch so hartnäckig halten. Jetzt bin ich wirklich gespannt auf das - nach einigem Anstehen, das aber doch recht zügig ging - erfolgreich signierte Buch. Thank you for a very enjoyable evening.
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Und hier nochmal, weils so schön ist, das Autogramm in Middlesex:

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Sonntag, 18. März 2012
Lit.Cologne, die Zwölfte: Werkstattgespräch I Katja Lange-Müller

Zu erfahren, wie andere Autoren schreiben, bzw. an das schreiben gehen und damit umgehen, ist immer sehr interessant, auch wenn ich selten etwas darauf für mich verwenden kann - jeder macht es eben anders. Dieses Werkstattgespräch war ja nun auch alles andere als ein Workshop - zum Glück, mit denen kann ich nun garnichts anfangen. Werkstattgespräche aber gibt es, wie Hanns-Josef Ortheil in seiner Einführung erläuterte, schon spätestens seit Eckermanns Gesprächen mit Goethe, und es gibt immer wieder Autoren, die sich gerne auf den Schreibtisch schauen lassen. Dieses Gespärch hier war mal wieder ein richtiger Glücksgriff von Regina und mir, auch wenn die Luft im wunderschön getäfeltem Sitzungssaal des Belgischen Hauses (der einzige uns neue Leseort dieses Jahr) ziemlich stickig war, denn Katja Lange-Müller erwies sich als erfrischend humorvoll, offen und bodenständig und ihre Berliner Schnauze war gerade noch so ausgeprägt, daß sie nicht nervte. In etwas mehr als einer Stunde erzählte sie dann ausführlich, u.a. von ihrer Arbeitsweise und den derzeitigen Umständen in Rom, wo sie bei einem Stipendiat ein Jahr in einer Villa ein für sie viel zu großes Atelier bewohnt, in enger Nachbarschaft mit zwei Komponisten, wie sie während der Arbeit an Romanen immer wieder auf Erzählungen ausweicht, von ihrer Lehrertätigkeit, wie wichtig die richtige Erzählperspektive ist, ihre Vorliebe für Semikolons, und vieles mehr - erstaunlich, was in der kurzen Zeit zusammen kam. Eine kleine Lesung gab es auch, eine Erzählung über eine Berliner Kneipe, die es vielleicht tatsächlich einmal so gegeben hat, und nicht nur die Lesung machte mir Lust auf ihre Bücher. Das eine oder andere werde ich mir sicher demnächst mal antun. Schon um zu sehen, wie sie die ganzen Semikolons einsetzt.
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Freitag, 16. März 2012
Lit.Cologne, die Zwölfte: Tess Gerritsen

Neben allen anderem sind LitCologne-Lesungen auch hervorragend dazu geeignet Autoren und ihre Werke unverbindlich, sprich ohne Kauf- und Leseaufwand kennenzulernen, um dann in Ruhe entscheiden zu können, ob man sich weiter mit ihm/ihr beschäftigen will. Ich denke mal, die Bücher von Tess Gerritsen werde ich mir nicht antun, wenn auch die Lesung gestern in der Kulturkirche sehr interessant war und Tess Gerritsen zwar routiniert, aber dabei sehr symphatisch und liebenswert rüberkam. Dazu noch Mechthild Großmann, mir wie so vielen anderen bekannt und teuer aus dem Münster-Tatort, mit ihrer umwerfenden Stimme, die sie auch diesmal nicht im Stich ließ, obwohl sie es sonst eher gewöhnt ist, in der engen Aufnahmezelle eines Hörbuchstudios statt vor Publikum zu lesen. Sonst schätze ich eher die Originalpassagen bei Lesungen, aber hier waren die deutschen Passagen aus "Grabesstille", dem neuesten (?) Band aus der Serie um Jane Rizzoli und Maura Isles, ein wahrer Genuß. Da konnte der Moderator Günther Keil auch nicht mehr viel verderben, auch wenn mich sein Lehrerenglisch und die oft zu schludrige und hastige Übersetzung (da wurde aus einer Sister-in-Law schon mal eine Stiefschwester) ziemlich nervten. Trotz alledem kam alles zur Sprache, was gesagt werden sollte und einen guten Einblick in Tess Gerritsens Werk vermittelte. Und das alles in der Kulturkirche in Nippes, mittlerweile einer unserer liebsten LitCologne-Leseorte (trotz der unbequemen Kirchenbänke). Da hab ich schon viel schlechtere Auftakte bei dem Festival erlebt.
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Bücherliste 2012: 15.03.2012

Wieder- bzw. neu im Original gelesen:

Jack London, A Son of the Sun

Lang lang ist's her, daß ich als Teenager die Kurzgeschichten um David Grief, den Abenteurer der Solomon-Inseln las - vielleicht war die deutsche Übersetzung sogar eines meiner ersten hundert Bücher. So schön es auch ist, die Geschichten endlich im Original zu lesen, so sehr wird die Freude durch die mangelhafte Ausgabe des Bandes getrübt. Ich weiß nicht, ob das bei allen durch Scan-Verfahren neu aufgelegten Büchern so ist, aber mein Buch wimmelt nur so von Druckfehlern, und das stört das Lesevergnügen doch erheblich. Würden mir die Geschichten nicht so viel bedeuten, hätte ich es schon längst drangegeben. Aber was hilft's, da muß man durch.
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Donnerstag, 15. März 2012
Baba war in der Flora

Am ersten schönen Frühlingstag klappte es denn auch mit dem diesjährigen Florabesuch, wo im Moment zwar mit zwei Riesenkränen und viel Krach das Hauptgebäude saniert wird

aber abgesehen davon war die Flora wieder schön und friedlich wie immer.

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Krokusse waren auch noch reichlich da zum fotografieren, aber ein echtes Erlebnis war dann die Kamelienausstellung im kleinen Tropenhaus.

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Kamelien in allen Farben,

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von der Knospe bis zur Blüte

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und manchmal scheinbar zwei Farben an einem Strauch.
Auch nicht von schlechten Eltern: das Riesen-Kreuzkraut am Ausgang.

Endlich mal erwischt, wenn auch mal wieder nur von weitem: ein Paar der vielen in Köln seit längerem heimischen Halsbandsittiche.

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Immer wieder schön: die alte Eiche mit den riesigen Schwammpilzen.

Anscheinend geht die Badesaison wieder los ...
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Schön wars.

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Dienstag, 13. März 2012
Gesammelte Fundsätze


This was one of the better attributes of the Reader Feedback Loop. When readers imbue a book with their own interpretations the weather always comes first, then colours, symmetry, trees, architecture, fixtures and fittings and finally texture. Birdsong, however, is generally not something brought alive by the reader's imagination, so the birds still have to be provided. Since we were now in the unread zone of the novel, the birds were either off duty or populating another book elsewhere. There is a certain amount of economics within the BookWorld; Austen birds are the same as Brontë ones - listen carefully and you'll hear.

(Jasper Fforde, One of our Thursdays is missing, Kapitel 12)


The Lady of Shalott was of an indeterminate age and might once have been plain before the rigours of arstistic interpretation got working on her. This was the annoying side of the Feedback Loop; irrespective of how she had once looked or even wanted to look, she was now a pre-Raphaelite beauty with long flaxen tresses, flowing white gown and a silver forehead band. She wasn't the only one to be physically morphed by Reader Expectation. Miss Havisham was now elderly whether she liked it or not, and Sherlock Holmes wore a deerstalker and smoked a ridiculously large pipe. The problem wasn't just confined to the classics. Harry Potter was seriously pissed off that he'd have to spend the rest of his life looking like Daniel Radcliffe.

(Jasper Fforde, One of our Thursdays is missing, Kapitel 7)


*Seufz* Eigentlich könnte man fast jeden dritten Satz aus dem Buch zitieren, aber die müssen erstmal reichen. Weitere Fundstücke folgen. Auch aus anderen Büchern natürlich.

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Freitag, 9. März 2012
Bücherliste 2012: 09.03.2012

Neu gelesen:

Jasper Fforde, One of our Thursdays is missing

Eine Weile hatte ich die Anschaffung des sechsten Bandes aus der Thursday-Next-Reihe verschleppt, aber jetzt hat es doch geklappt, und das Buch überzeugt wieder gleich von Beginn an. Wie in allen vorhergehenden Bänden stellt auch dieser ziemliche Ansprüche an die Vorstellungskraft - zuweilen ist es tatsächlich so, als würde man sich selbst beim lesen beobachten - und macht dabei unglaublich Spaß. Bei der Landkarte der neuen "Fiction Island", d.h. jetzt geographisch dargestellten Buchwelt wünschte ich mir doch fast, ich hätte mir die gebundene Ausgabe geleistet, die Taschenbuchversion ist doch etwas klein geraten. Vielleicht gibt es irgendwo eine erweiterte Version ...
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